Spezialisierte Betreuung für Menschen mit dementiellen Erkrankungen

 

Nach Abschluss des durch den AWO- Bundesverband getragenen und durch die „gos“ begleiteten Pilotprojektes Demenz, hat sich die spezielle Begleitung der Bewohner/Innen mit dementiellen Erkrankungen in den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt SSZ gGmbH weiter profiliert. Als ein Ergebnis des Pilotprojektes wurden Grundlagen für die Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen formuliert.

Die bisherige Erfahrungen in der stationären Pflege und Betreuung dementiell erkrankter Menschen haben gezeigt, dass das so genannte integrative Betreuungsmodell seine Grenzen dann erreicht hat, wenn der Anteil der Bewohner/Innen mit mittelschweren und schweren Demenzerkrankungen überwiegt.

Demenz wird in den Einrichtungen der AWO daher nicht in erster Linie als Krankheitsbild verstanden, sondern als eine – wenngleich nicht freiwillig gewählte – „Lebensform“.

Spezialisierte und gezielt auf die Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen abgestimmte Betreuungsangebote, bei denen nicht mehr allein die Körperpflege, sondern vielmehr die Beziehungspflege im Mittelpunkt pflegerischen Handelns steht, sind notwendig.

Primär bezogen auf den Umgang mit dementiell erkrankten Menschen stehen den Überlegungen vier Grundprinzipien voran, die sich wie folgt beschreiben lassen:

 

  • Dezentralisierung
  • Alltagsnormalisierung (Familienorientierung)
  • kontinuierliche Präsenz von Bezugspersonen
  • wertschätzende Grundhaltung aller Mitarbeiter/Innen.

 

Bewohner/Innen mit mittelschweren und schweren dementiellen Erkrankungen werden in homogenen Bewohnergruppen zusammengeführt und sind weitgehend autonom organisiert.

Hauswirtschaftliche Tätigkeiten sollen nach Möglichkeit vor Ort und – soweit möglich und gewünscht – unter Einbeziehung, zumindest aber in Anwesenheit der Bewohner/Innen erfolgen. Allein daraus ergibt sich bereits eine Tagesstruktur, mit der an Erinnerungen aus dem so genannten Langzeitgedächtnis der Bewohner/Innen angeknüpft werden kann.

Damit soll u. a. erreicht werden, dass die Bewohner/Innen wieder zu Beteiligten ihres Alltages werden, in dem sie – je nach Bedürfnissen – in die Gestaltung der Abläufe, die ihren Alltag betreffen, einbezogen werden bzw. bleiben (z. B. bei der Mahlzeitenversorgung).

Normalität bedeutet in diesem Zusammenhang:

 

  • dementiell erkrankte Menschen brauchen eine vertraute räumlich (häusliche) Umgebung
  • ritualisierte Strukturen
  • es darf nicht mit psychologischen oder medizinischen Zwangsmaßnahmen gearbeitet werden
  • Mitarbeiter/Innen und Angehörige müssen sich neu orientieren, umlernen und umdenken

 

Professioneller Umgang mit dementiell erkrankten Menschen fordert räumliche und personelle Stetigkeit. Daher scheint es derzeit keine Alternative zum System der Bezugspflege zu geben, die primär über den Einsatz von Präsenzmitarbeiter/Innen im Sinne von Alltagsbegleitern umzusetzen ist. Präsenzmitarbeiter/Innen kommen dabei insbesondere folgende Aufgaben zu:

 

  • grundpflegerische Versorgung
  • soziale Betreuung innerhalb des Wohnbereiches
  • biografieorientiertes Arbeiten als ein wesentliches Instrument der Reaktivierung
  • Organisation der Bewohnerwäsche
  • Gestaltung eines entsprechenden Mahlzeitenmilieus
  • Dokumentation

 

Wertschätzung und Würde finden ihren Ausdruck vor allem in gestalteten Beziehungen. Es bedarf einer empathischen Grundhaltung aller Mitarbeiter/Innen gegenüber den Bewohner/Innen, die sich in jeder Lebenslage und Situation ernst genommen und geachtet fühlen sollen.